Luftbetriebene Autos
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Neuartiges Stadtauto fährt mit Luft
Abgasfreies Fahrzeug hat einen Aktionsradius von 200 Kilometern - "Luxemburg (dpa). Es ist der Traum aller Umweltschützer: ein Auto, daß nur mit Luft fährt. Jetzt soll er Wirklichkeit werden. Die Firma Motor Development International (MDI) in Luxemburg hat ein Fahrzeug entwickelt, bei dem man mit Preßluft nicht nur die Reifen aufpumpen, sondern auch gleich volltanken kann. Der Lufttank, der 330 Liter faßt und in der Garage über Nacht mit einem strombetriebenen Heim-Kompressor aufgeladen wird, läßt das Auto immerhin 200 Kilometer weit rollen. Als abgasfreies Taxi soll das Luftauto nun smoggeplagte Hauptstädte wie Mexiko-Stadt entlasten helfen. "Wir wollten ein richtig sauberes und preisgünstiges Auto herstellen", sagt Martin Marschner, Aufsichtsratsmitglied bei der MDI. Um dies zu erreichen, bastelten 18 Ingenieure und Techniker acht Jahre lang im Entwicklungszentrum der Firma im südfranzösischen Brignoles an der Idee. Die ersten drei Prototypen des Luftautos - ein Taxi, ein Van und ein Kleintransporter - drehen bereits auf dem Firmengelände ihre Runden. Ende 1999 wird die Produktion in einer neuen Fabrik in Brignoles aufgenommen, so daß die erste Fahrzeuge Anfang des Jahres 2000 ausgeliefert werden können. Bei dem neuen Motor wird die Preßluft in einer Metallkugel verdichtet. Der Überdruck entweicht in einen Zylinder, dessen Kolben den Wagen antreibt. "Im Unterhalt ist das Luftauto unschlagbar", meint Marschner. Das Nachladen der Preßluft am Hochleistungskompressor kostet drei Mark Strom und dauert zwei Minuten. Wer den Luftspeicher mit einem schwächeren Heimkompressor in seiner Garage auffüllt, muß vier Stunden warten. Die Höchstgeschwindigkeit des rund 25.000 Mark teuren Stadtautos liegt bei 110 Stundenkilometern. Damit der Fahrer des Luftautos bei längeren Überlandstrecken nicht stehenbleibt, will MDI den Wagen zusätzlich mit einem Benzintank und einer Zündkerze ausstatten. Außerhalb der Stadt kann der Fahrer dann per Knopfdruck von Druckluft auf Sprit umstellen. Das Benzin-Luft-Gemisch wird in derselben Kammer gezündet, in die sonst die Druckluft einschießt. Die Kugelform solle für eine optimale Verbrennung sorgen, den Verbrauch auf drei Liter pro 100 Kilometer begrenzen und die Abgaswerte niedrig halten, meint der Hersteller. "Die Anwendung ist neu und von der Lösung her sicherlich etwas Exzeptionelles", kommentiert Hans-Thomas Ebner, Leiter der technischen Abteilung des Verbandes der Automobilindustrie in Frankfurt am Main, das Luftauto. Bisher habe es lediglich vor etwa 50 Jahren einmal eine druckluftbetriebene Lokomotive gegeben, die sich aber nicht durchgesetzt habe. Skeptischer sieht dagegen Bert Breuer, Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität in Darmstadt, die Neuentwicklung. "Ich kann mir nicht recht vorstellen, mit einem Druckbehälter zu fahren. Dieser könnte auch etwa bei einem Unfall eine Gefahr darstellen, denn er ist ja wie eine Bombe", meint er. Zudem komme ihm die Konstruktion sehr aufwendig vor, wo es doch bereits Drei-Liter-Autos mit sehr geringen Abgaswerten gebe. Doch die Nachfrage nach dem sauberen Stadtauto ist nach Angaben von Marschner bereits enorm. "Wir könnten heute bereits 40.000 Autos verkaufen, wenn wir sie nur schon hätten", sagt er. Bereits 115 seriöse Anfragen von China, über Kuba, Südafrika, Ägypten, Marokko und Schweden lägen vor. In den kommenden fünf Jahren sollen 200 Fabriken weltweit entstehen, die jeweils im Schnitt 4.000 Luftautos im Jahr herstellen. Quelle: Weser Kurier, Bremen, 12.03.1999, Seite 17 |
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