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Regelmässige Meditation führt auf Dauer bei uns zu einer wachsenden seelischen und geistigen Ausgeglichenheit. Auf der Körperebene bewirkt sie die Wiederherstellung und Verjüngung unseres Gewebes und verbessert so auch unser körperliches Befinden. Und wenn du eine Zeit lang meditiert hast, kann eine grundlos aufsteigende innere Freude ein Anzeichen deines Fortschritts sein. Meditieren bedeutet, eins zu werden mit dem, was immer man gerade macht. So gesehen
benötigt man eigentlich keine besondere Form der
Meditation. All die unterschiedlichen Dinge des Alltags
kann man zur Meditation machen! Es ist zum Beispiel ein
Riesenunterschied, ob man genervt abwäscht und dabei in
Gedanken schon ganz woanders ist, oder ob man meditativ
abwäscht, mit innerem Gleichmut, so sorgfältig wie man
es nur vermag und doch ohne am Ergebnis innerlich
anzuhaften. Der Unterschied zeigt sich nicht nur in der
Sauberkeit der abgewaschenen Gegenstände - auch im
Ausmass der eigenen Zufriedenheit! Optimal wäre es,
jeden Tag 24 Stunden in allen anfallenden Tätigkeiten zu
meditieren. Denn Meditation ist ein Bewusstseinszustand
und hat deshalb gar keine besondere Form.
Und doch ist es gerade am Anfang sinnvoll, in einer bestimmten
Form zu meditieren, um durch sie diesen meditativen
Bewusstseinszustand jenseits aller Formen zu erreichen.
Wenn du dann innerhalb der von dir gewählten Form
Stabilität erlangt hast, kannst du dich wieder von ihr
lösen und deinen meditativen Bewusstseinszustand auf
alles Vorhandene in deinem Leben ausweiten. Bis dahin ist
diese bestimmte Form der Meditation aber durchaus
hilfreich. Und wenn du soweit bist dass du die Form nicht
mehr brauchst, musst du nicht einmal auf sie verzichten,
wenn du sie liebgewonnen hast, weil sie dann keine Rolle
mehr spielt. Werbung
Fortgeschrittene
können überall meditieren, auch auf einem Marktplatz
oder in einer verrauchten Kneipe, für den Anfang aber
ist es förderlich, sich ein ruhiges Plätzchen zu
suchen, wo du ungestört bist. Mit der Zeit wird diese
Stelle die Schwingung deiner Meditationen annehmen, und
dies vertieft deine Meditation wiederum. Dieses Prinzip
ist allgemein bekannt; es ist der Grund, warum Kirchen,
Tempel und Schreine gebaut werden.
Wähle also eine Stelle in deinem Zimmer aus, die du speziell
nur für diesen Zweck benutzt. Optimal wäre die
Ausrichtung deiner Meditationsecke nach Osten, aber wenn
sich das nicht einrichten lässt, geht natürlich auch
jede andere Richtung. Wenn du magst, richte dir diese
Stelle liebevoll mit Dingen ein, die dich beflügeln, was
immer das für dich sein mag: Kerzen, Blumen, Edelsteine,
Bilder von spirituellen Leuten, mit denen du dich
verbunden fühlst oder Kraftgegenstände. Die Gestaltung
muß ja nicht kitschig sein: Manche Leute haben einen
persönlichen Altar, der so schlicht gestaltet ist, dass
er von Außenstehenden nicht einmal als solcher erkannt
wird! Natürlich kannst du dich auch vor eine einfache
leere Wand setzen, wenn es dir so lieber ist. Wann, wie oft, wie lange meditieren? Regelmäßigkeit ist für Meditation sehr förderlich, optimal wäre es daher immer morgens oder abends um die gleiche Zeit zu meditieren. Besser jeden Tag 10 Minuten als einmal in der Woche eine Stunde! Meditiere so lange es sich für dich richtig anfühlt, anfangs nicht übertreiben, sonst demotivierst du dich und läßt es bald wieder ganz sein. Andererseits solltest du auch nicht gleich beim ersten Impuls zu einer anderen Aktivität aufspringen und die Meditation abbrechen! Am besten lege probeweise für zwei Wochen eine Dauer von 10 Minuten für dich fest, und steigere sie dann nach und nach auf 15, 20 und schließlich 30 Minuten, wie es für dich stimmig ist. Dein Zeitgefühl kann sich in der Meditation auch komplett verändern, so dass dir 10 Minuten ewig lange vorkommen, oder du sitzt sehr lange und hast trotzdem das Gefühl, es wäre nur ganz kurz gewesen. Dr. Ralph Jordan riet seinen Schülern, nur einmal täglich und höchstens 30 Minuten zu meditieren, weil länger zu meditieren bedeutet etwas erkämpfen zu wollen, und Meditation alles andere als Kampf sein soll. Ausserdem geben manche Schüler sonst durch übermäßig langes Meditieren ihren Fluchttendenzen vor ihren alltäglichen Aufgaben zu sehr nach. Übrigens ist die beste Zeit zum Meditieren abends ab 23 Uhr. Um diese Zeit bereitet sich der größte Teil der Menschen auf den nächtlichen Schlaf vor, und die statischen Energien der Atmosphäre sind sehr gering, da die meisten elektrischen Geräte und Maschinen dann abgeschaltet sind. Solange wir meditieren, um etwas zu erreichen, werden wir es genau durch diese Absicht von uns fernhalten. Meditiere zweckfrei, und gewöhne dir an, deine regelmässige Meditation auch dann einzuhalten, wenn du gerade gar keine Lust hast. So wirst du die besten Ergebnisse erlangen, weil du auf diese Weise von deinen Launen und Stimmungen unabhängig wirst. Umgang mit störenden Geräuschen Je weiter du fortschreitest in deiner Meditation, desto weniger wirst du dich durch äußere Störungen aus der Ruhe bringen lassen. Am Anfang können Strassengeräusche oder ähnliches aber schon nervig sein. Der Trick liegt hier darin, sich nicht von ihnen aus der Ruhe bringen zu lassen, sondern sie als Teil der Aussenwelt hinzunehmen und zu akzeptieren wie alle anderen Sinneseindrücke.
Joachim-Ernst Behrend
hat mir dazu mal eine schöne Geschichte
erzählt: In den sechziger Jahren war er einer der
Ersten, die in einem japanischen Zen-Kloster meditieren
wollten. Zu diesem Zweck begann er einen Briefwechsel mit
einem Zen-Kloster in Kyoto. Er wurde eingeladen und flog
freudig hin. Dort angekommen, erlebte er allerdings einen
Kulturschock, denn ihm war nicht das Ausmass der Tatsache
bewusst gewesen, dass Kyoto trotz aller Tempel auch eine
weltliche Großstadt ist: Direkt gegenüber des Klosters
wurde gerade ein Hochhaus gebaut, und so war im
Zen-Kloster den ganzen Tag der Lärm der Baustelle zu
hören. Er war sehr enttäuscht und wollte sofort wieder
abreisen, denn er konnte sich nicht vorstellen, wie in
aller Welt man bei dem Lärm der Presslufthammer
meditieren können sollte! Aber da er schon mal da war,
wollte er sich zumindest mal mit dem dortigen Zen-Meister
unterhalten haben.
In dem
Gespräch riet ihm der Meister, die Meditation dennoch
auszuprobieren, da er doch nun schon mal da sei. Das
leuchtete ihm ein, und so probierte er es. Die
Aueinandersetzung mit seinem Widerstand gegen den Lärm
war nicht einfach, aber lohnenswert, denn mit der Zeit
schaffte er es, die Geräusche als ständige Begleiter
anzunehmen, und so hatte er schließlich sehr tiefe
Meditationserfahrungen, die er ohne die
Auseinandersetzung mit seinen Widerständen vielleicht
nicht gehabt hätte. Der Krach war zwar immer noch da,
aber er störte ihn nicht mehr, genau wie er ja auch
ständiges Brandungsrauschen vor der Tür nicht unbedingt
als Störung hätte empfinden müssen.
...und
noch ein Tipp für den Einstieg: Falls es gar nicht
anders geht, gibt es auch noch Ohrenstöpsel...! ;-)
Erwarte nicht zuviel für den Anfang! Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut. Es kann lange Zeit dauern, bis in der Meditation keine Gedanken mehr auftauchen, ärgere dich also nicht über sie. Der
Zen-Meister Shunryu Suzuki
empfahl seinen
Schülern, dass sie nicht meditieren sollen, um
Erleuchtung zu erlangen, sondern davon ausgehen sollen,
dass sie schon erleuchtet sind und nur in
Meditation sitzen, um ihre Erleuchtung angemessen auszudrücken.
Auf diese Weise kann man Erwartungshaltungen gut
vermeiden, denn was sollte man erwarten, wenn man alles
schon hat? In China gibt es ein Sprichwort: "Der dumme Bauer zieht an den Keimlingen, um ihnen beim Wachsen zu helfen, und bringt sich so im voraus selbst um die Ernte." Wenn du etwas gesät hast, braucht es seine Zeit, bis die Früchte zu sehen sind. Meditiere also einfach, erwarte nichts und schau was im Laufe der Zeit passiert. Manche Anfänger stellen sich Meditation als etwas sehr Pompöses vor, so als ob in ihrer Meditation Lichtblitze erscheinen, Meister oder Engel zu ihnen sprechen müssten oder dergleichen. Und dann sind sie enttäuscht, dass da "nichts" ist. Tatsächlich wäre es erstaunlich, wenn da wirklich "nichts" wäre, und sie schon das Stadium eines so reinen Geistes erreicht hätten, dass sich nichts mehr in ihm reflektiert! Eher werden sie erstaunt feststellen, wieviel statt "nichts" wirklich in ihnen ist, wenn sie die subtilen Eindrücke in ihrer Meditation wahr zu nehmen lernen. Andererseits
kann man beim Meditieren tatsächlich Visionen haben,
wenn mit der Zeit durch die Verfeinerung der Wahrnehmung
eine Empfänglichkeit dafür entstanden ist. Auf dieser
Stufe kann man in der Meditation die seltsamsten Sachen
erleben, Bilder sehen, zuviel Energie haben,
Hitzewallungen, überfließende Gefühle... Ein weiteres Problem ist die Gier nach Phänomenen. Wer nur meditiert, um bestimmte Kräfte zu entwickeln (z.B. levitieren zu können), blockiert sich selbst, besonders wenn er Erfolg hat, denn so füttert man eher die Machtwünsche des Verstandes und fördert einen Egotrip anstelle einer ganzheitlichen Entwicklung. Andererseits können sich mit der Zeit durchaus ganz von selbst bestimmte Fähigkeiten einstellen, quasi als Nebenprodukt der fortgesetzten Meditation, mit denen man dann verantwortlich umgehen lernen darf. In der Regel ist Meditation eine gute Sache, aber wie alles sollte man sie nicht übertreiben. Bei der von mir beschriebenen einfachen Meditation kann man keine Probleme bekommen, wenn man etwas falsch macht. Es gibt aber spezielle Techniken, beispielsweise im Kriya-Yoga oder im Kundalini-Yoga, bei denen man eine Menge Energie in Bewegung bringt und sich tatsächlich schädigen kann, wenn man sie missbraucht oder falsch ausübt. Darum sollten diese nur unter der Anleitung kundiger Lehrer erfolgen. Und Leute mit einem Hang zur Psychose sollten von Meditation erstmal die Finger lassen und stattdessen eine fundierte Therapie machen, da sie sonst Gefahr laufen, einen psychotischen Schub bei sich auszulösen.
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