Freier Wille und Vorherbestimmung
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Eines der höchsten geistigen Gesetze in diesem Universum ist der freie Wille des Menschen. Wir sind keine Marionetten des Schicksals oder einer höheren Macht, sondern bestimmen durch unser Handeln den Verlauf unseres Lebens jeden Augenblick selbst. Der Preis für diesen freien Willen ist die Verantwortung für unser Handeln: Wir können zwar alles tun, was wir wollen, müssen dann aber auch die Folgen unserer Handlungen tragen. Das ist ein weiteres wichtiges geistiges Gesetz und wird in den östlichen Religionen Karma genannt. |
Wenn aber Nostradamus und andere Propheten Ereignisse voraussagen
können, die dann auch tatsächlich eintreten - lässt
das nicht auf eine Vorherbestimmung schließen, auf einen
festgelegten schicksalhaften Ablauf der Dinge, egal was
wir tun? Und wie lässt sich das mit unserem freien
Willen vereinbaren?
Tatsächlich steht unser freier Wille nicht im Widerspruch
zur Tatsache, dass gewisse Ereignisse vorhersehbar sind.
Unsere Freiheit der Entscheidung gibt uns verschiedene
Möglichkeiten zum Handeln, und gleichzeitig sind darin
bestimmte Tendenzen erkennbar. Ein einfaches Beispiel ist die Vorhersage, dass ein Alkoholiker, der
mit einer Flasche Alkohol allein ist, auch daraus trinken wird.
Aufgrund dessen Alkoholabhängigkeit ist die Wahrscheinlichkeit
hoch, dass sich diese Vorhersage erfüllen wird. Aber aufgrund
seines freien Willens hat der Mann auch die Möglichkeit, sich
z. B. genau an diesem Zeitpunkt zu einem Alkoholentzug zu
entschließen und die Flasche auszugießen. Setzt er also seinen
freien Willen ein, endet sein vorhersagbares Verhalten und die
Vorhersage wird nicht mehr zutreffen.
Es gibt nicht nur eine
Zukunft, die vorhersehbar und unabänderlich wäre, sondern viele
Varianten, die nur als unterschiedlich hohe Wahrscheinlichkeiten
existieren. Selbst wenn ein sehr weit entwickelter Prophet
individuelle oder kollektive Tendenzen richtig erkannt und
vorausgesagt hat, gibt uns unser freier Wille immer wieder die
Möglichkeit, eine andere als die vorhergesagte Zukunft Realität
werden zu lassen, einfach indem wir unsere Energien und
Handlungen in eine andere Richtung aktivieren.
Der freie Wille bringt also Variablen ins Spiel, die mit wachsender
Größe die Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Eintreffens der
Prophezeihung verringern. Der Effekt der
"Selbsterfüllenden Prophezeihung" kommt dadurch
zustande, dass die betreffende Person oder Personengruppe
beeinflusst von der scheinbaren Unabänderlichkeit einer
Prophezeihung ihre Energien und Handlungen in genau diese
Richtung schickt und das vorausgesagte wahrscheinliche Ereignis
somit erst zur Realität macht.
Die beste Methode, negative Vorhersagen nicht zu erleben,
ist also der, ganz einfach nicht an sie zu glauben, sondern ein positives
Gegenbild zu erschaffen, in dessen Realisierung dann die eigene
Energie investiert wird. Wie Martin Luther gesagt haben soll:
"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde
ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Dieses Konzept
ist mehr als das Prinzip Hoffnung - es ist die Möglichkeit, eine
bestehende energetische Struktur so zu verbessern, dass eine
bessere Zukunftsvariante erreicht wird.
Positive Prophezeihungen sind eine Möglichkeit, Einfluss auf die Zukunft
zu nehmen. Je mehr Menschen ihre Energien gemeinsam auf eine
positive Zukunft ausrichten, desto wahrscheinlicher wird sie zur
Gegenwart werden. Jeder Gedanke hat das Bestreben, Wirklichkeit
zu werden. Und verbunden mit der Kraft der Liebe kann ihm nichts
im Wege stehen. Wenn du eine persönliche positive Vision deines
Lebens hast und alle deine Kräfte liebevoll konzentriert darauf
ausrichtest, wirst du dein Ziel sehr wahrscheinlich auch
erreichen. Das gilt natürlich auch für kollektive gesellschaftliche Prozesse.
Denk nur an den Fall der Berliner Mauer...!
Wenn eine Prophezeihung nicht eintrifft, kann das zwar an einer mangelnden
Befähigung des Sehers liegen - vielleicht war das Gesehene eine
persönliche Fehldeutung, eine Projektion seiner eigenen inneren
Prozesse nach außen. Es ist aber auch möglich, dass die
Prophezeihung dennoch richtig war, auch ohne dass sie
erkennbar eintraf - wenn nämlich das in der Vision Gesehene ohne
das Verkünden der Prophezeihung durchaus eingetroffen wäre,
aber genug Menschen durch sie ihr Verhalten geändert haben, so
dass das wahrscheinliche Ereignis abgewendet werden konnte. Pech,
dass der Prophet bei seinen Mitmenschen in so einem Falle dennoch
schlecht wegkommt, weil seine Prophezeihung scheinbar Quatsch
war: Berufsrisiko! ;-)
Prophezeihungen sind nicht absolut und unveränderbar,
sondern zeigen nur Möglichkeiten auf, die um so weniger
wahrscheinlich werden, je mehr dabei der freie Wille
verändernd eingesetzt wird.